Alu-Deos: Kosmetikindustrie als Behördenflüsterer

Verfasst von Phoebe. Veröffentlicht in Al-ex News

Seit Jahrzehnten steigt die Häufigkeit von Brustkrebs rasant an. Mehr als die Hälfte der Tumore werden im Quadrant neben den Achseln diagnostiziert: Dort wo Roll-on oder Deospray aufgetragen werden. Viele dieser Kosmetikprodukte enthalten als Wirkstoff eine Aluminium-Chlor-Mischung. Diese Chemikalie dringt in die Haut ein und verklebt die Schweißporen. Das oberste deutsche Kontrollgremium, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), stellte den Alu-Deos bisher einen Freibrief aus. Nun stellt sich heraus, dass die Behörde bei dieser Einschätzung einen wichtigen Einflüsterer hatte: die Kosmetikindustrie. 

Etwa zwei Drittel der Deos enthalten Aluminiumchlorohydrat

Es ist eines der ungelösten Rätsel bei Brustkrebs: Fast 60 Prozent der Tumoren treten im so genannten "oberen äußeren Quadranten" der Brust auf. Also in jenem Bereich, der den Achseln am nächsten ist. Da die weibliche Brust in fünf etwa gleich große Bereiche - die vier Quadranten und einen zentralen Bereich um den Nippel - gegliedert wird, sollten es rein mathematisch doch nur 20 Prozent sein.
Als Erklärung wird genannt, dass dieser Bereich bei den Achseln eben besonders dichtes Gewebe enthalte und hier besonders viele der milchproduzierenden Zellen versammelt sind, aus denen meist das Krebsgeschehen entspringt.

Die britische Onkologin Philippa Darbre von der Universität Reading im Norden Londons gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und vertiefte sich in historische Aufzeichnungen aus der Zeit bevor massenhaft Deos verwendet worden sind. Und siehe da: In den 1930er und 40er Jahren waren die Tumoren deutlich gleichmäßiger über die gesamte Brust verteilt. Nur 31 Prozent fanden sich damals im "oberen äußeren Quadranten". Zum Beginn der 80er Jahre war der Anteil in England, Wales und Schottland bereits auf fast 40 Prozent angestiegen, mit der Jahrtausendwende übersprang er schließlich die 50 Prozent Marke. Und jetzt liegt er schon fast beim Doppelten der Vor-Kosmetik-Ära.
"Das", meint Darbre, "weist deutlich darauf hin, dass Kosmetikprodukte hier eine Rolle spielen." Sie tippte zunächst auf die Parabene. Schließlich aber fand sie einen anderen, noch deutlich aggressiveren Inhaltsstoff, den sie seit zwei Jahrzehnten erforscht und dazu viele Studien veröffentlicht hat. (Nähere Informationen dazu: siehe hier).


BfR gab Grünes Licht für Alu-Deos

Im krassen Gegensatz zu diesen Erkenntnissen gab das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch in seinen Publikationen stets grünes Licht für die Alu-Deos.

Hier eine der Entwarnungen des BfR im Wortlaut:

Die geschätzte Aufnahme über die Haut (dermale Resorption) liegt bei 0,01 % (21). (…) Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminiumaufnahme aus unterschiedlichen Quellen wie Lebensmitteln, Medikamenten oder kosmetischen Mitteln und einer Alzheimer Erkrankung wurde bisher wissenschaftlich nicht belegt. Nach Auffassung der Kosmetikkommission besteht kein Risiko durch eine Aluminiumaufnahme aus kosmetischen Mitteln speziell aus Deodorantien.

Vom wissenschaftlichen Gehalt machte die Risikobewertung des BfR den Eindruck eines recht beliebigen, nebenher verfassten Gutachtens. Die oben zitierte Aussage stützte sich auf wenige kleine Studien und berücksichtigte die neuere kritische Evidenz zum Thema Brustkrebs gar nicht.
Mehrfach wurde ich von Journalistenkollegen kontaktiert, welche im Zuge ihrer Recherchen beim BfR nachgefragt hatten und dort die Auskunft bekamen, Aluminium stelle keinerlei Gesundheitsgefahr dar. Ansgesprochen auf die Belege, die ich in meinem Buch "Dirty Little Secret - Die Akte Aluminium", sowie in meinen Filmen präsentiert habe, hieß es von Seiten der BfR-Sprecher: "An der Sache ist nichts dran." Hier würde bloß jemand (also ich) ohne jegliche Substanz Angst verbreiten.

Vor einigen Monaten aber stand auf der Webseite des BfR plötzlich die Mitteilung, dass die Frage der Sicherheit von Kosmetikprodukten - speziell auch wegen der vielen Anfragen zu Alu-Zusätzen - neu bewertet werde.

Nun wurden die neuen Erkenntnisse publiziert.

Zur Frage, ob Aluminiumhaltige Deos gesundheitsschädlich sind, erklären die BfR Experten  jetzt folgendes:

"Die geschätzte Aufnahme von Aluminium aus Antitranspirantien liegt möglicherweise im Bereich dessen, was von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als duldbare wöchentliche Aufnahmemenge festgesetzt wurde. Da Aluminium auch aus anderen Quellen, wie beispielsweise Lebensmitteln, aufgenommen wird, könnte diese Menge bei einem Teil der Bevölkerung überschritten werden. Um eine zu hohe Aluminiumaufnahme zu verhindern, sollte ein übermäßiger Gebrauch von aluminiumhaltigen Antitranspirantien daher vermieden werden. Außerdem sollte nach der Rasur oder bei geschädigter Achselhaut ein Deodorant ohne Aluminiumsalze verwendet werden."

Das klingt immerhin nicht mehr ganz so sorglos, wie die letzte größere Erörterung dieser Problematik, wo es noch sinngemäß geheißen hatte, man brauche sich diesbezüglich überhaupt keine Gedanken machen.


Fiel das BfR auf Industrie-Expertise herein?

Das Protokoll zur 11. Sitzung der Kosmetik-Kommission, die im Mai 2013 (!) stattfand, wurde erst am 23. Januar 2014 veröffentlicht. Darin wird zum Tagesordnungspunkt Aluminium ein interessantes Faktum erwähnt. Dass nämlich bei einer der zurückliegenden Sitzungen des BfR (am 23. November 2011) ein Vertreter der Industrie anwesend war.
Zitat aus dem Bericht:

Damals stellte ein Vertreter der Industrie eine Expositionsberechnung vor, bei der sich unter der Annahme einer Penetrationsrate von 0,012 % eine systemische Expositionsdosis (SED) von 9 µg/Person/Tag bzw. 0,15 µg/kg KG ergab.

Damit, hatte der Industrievertreter der BfR-Kommission erklärt, liege das Risiko um das 200-fache unter dem Grenzwert. Also weit jenseits jeglicher Gefahr.

Der Vertreter bezog sich dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2001, an der gerade einmal zwei Personen (!) teilgenommen hatten. Genau diese Studie (siehe oben:  21) wurde aber in den BfR Entscheidungen stets als wichtiger wissenschaftlicher Hinweis für die Harmlosigkeit der Alu-Deos genannt. 

Bei der aktuellen Sitzung des BfR war nun ein neuer Experte anwesend, von dem im Bericht keine Industrienähe gemeldet wird. 
Und siehe da, er kam nun zu gänzlich anderen Resultaten. Zitat aus dem Protokoll:
Ein Experte berichtet zum aktuellen Sachstand von Aluminium in kosmetischen Mitteln und stellt eine neue Expositionsberechnung nach Notes of Guidance vor. Aus einem neuen, nach OECD Richtlinie durchgeführten in vitro-Versuch ergaben sich Penetrationsraten in Abhängigkeit von der Formulierung zwischen 0,3 (für ein Roll-On) und 1,61 µg/cm2 (für ein Aerosol). Anhand dieser Penetrationsraten ergäben sich weitaus höhere systemische Einträge.
Demnach werde allein über Deos so viel Aluminium in den Körper aufgenommen, dass damit der Grenzwert der EU Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die "tolerierbare wöchentliche Aufnahme" bereits erreicht werde. Also keine Rede mehr von einem 200-fachen Sicherheitsabstand.

Welchem Experten soll nun also vertraut werden, wenn die Resultate des einen um das 200-fache von jenen des anderen abweichen?

Daraus entspann sich im Plenum eine Diskussion, wo u.a. Kritik an den Mängeln der vorangegangenen - vom Industrie-Lobbyisten - vorgetragenen Studie aufkam. 
Der Bericht des BfR fasst den Abschluss der Debatte folgendermaßen zusammen:
Aufgrund der insgesamt schlechten Datenlage zum Thema dermale Penetration sei es schwer, eine vernünftige Expositionsbetrachtung zu machen. Es bestehe dringender Bedarf an einer OECD-konformen in vivo-Studie unter Anwendungsbedingungen.
Schließlich wird im Protokoll noch erwähnt, dass es zusätzlich zu den Deos mit dem Wirkstoff Aluminiumcholorohydrat noch eine Reihe weiterer Aluminium-haltiger Kosmetikprodukte gibt, welche die Gesamtlast erhöhen. Aufgezählt werden: 
Aluminiumfluorid in Zahnpasta, Aluminiumverbindungen in Lippenstift sowie Aluminium-beschichtetes Titandioxid in Sonnenschutzmitteln 
Jedenfalls, so endet der Bericht, "soll das Thema bei der nächsten BfR-Sitzung erneut diskutiert werden".

Wann denken Sie ist die nächste Sitzung?
Auch dies geht aus dem Protokoll hervor: Es ist der 7. November 2013.

Wir müssen also nur noch ein paar Monate warten, bis wir erfahren, welche neuen Schlüsse das BfR vor drei Monaten gezogen hat.

Das BfR beschäftigt 775 Mitarbeiter, davon mehr als 300 Wissenschaftler
PS: Auf der Homepage des BfR gibt es ein Übersichtspapier, welches Daten und Fakten zum BfR auflistet. Gegründet wurde das BfR im Jahr 2002 als Anstalt öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. 
Ziele des BfR sind laut Statut:
Das BfR versteht sich als Anwalt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Sein Ziel ist es, gestützt auf seine Risikobewertungen den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken.

Etwas weiter oben hier im Artikel finden wir die Feststellung des BfR, dass "dringender Bedarf" bestehe an zuverlässigen Anwendungsstudien, um endlich mal die Frage zu klären, wie viel des toxischen Alu-Chlor-Gemisches über die Antitranspirantien nun tatsächlich in den Körper - und damit auch ins Brustgewebe - gelangt.

Hierzu noch ein Blick in die Aufgaben des BfR:

Das BfR hat den gesetzlichen Auftrag, Forschung zu betreiben, soweit diese in engem Bezug zu seinen Arbeitsschwerpunkten und Tätigkeiten steht und für die Wahrnehmung der gesetzlichen Aufgaben nötig ist.

Bleibt also die Frage, was die Hundertschaften des BfR (darunter mehr als 300 Wissenschaftler) aufhält, diesen dringenden Bedarf selbst zu stillen (und sich bei Bedarf fachkundige Experten zu Hilfe zu holen).

Nachdem sich damit hoffentlich zweifelsfrei klären lässt, wie viel Aluminium in die Haut geht, schließt sich das Al-ex Institut gleich mit einer Inspiration für eine mögliche weitere Fragestellung an:

Hoch interessant wäre nämlich auch, was die reaktionsfreudigen und bekannt toxischen Aluminium-Ionen dann - nachdem sie die Haut durchdrungen haben - im Brustgewebe anrichten.
Hierzu gibt es bereits ausgiebig Literatur, welche das Al-ex Institut den BfR-Experten (bei Bedarf) gerne zukommen lässt.

 

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