Aluminium – das grüne Metall?

Verfasst von Phoebe. Veröffentlicht in Al-ex News

Die Aluminiumindustrie investiert seit vielen Jahren in Imagepflege mit dem Schwerpunkt auf dem enormen Potenzial für Recycling. Wenn Aluminium halbwegs sauber in den Sammelbehältern landet, kann es gut eingeschmolzen und wieder verwertet werden. Theoretisch klingt das gut. In der Realität macht Recycling-Aluminium nach wie vor nur einen Bruchteil der Rohstoff-Menge aus.

Das Recycling verbraucht nicht einmal fünf Prozent der Energie, welche für die Herstellung von Primäraluminium nötig ist. Rohaluminium braucht zwar zehnmal so viel Energie zur Herstellung als Eisen, doch bei der Altstoffverwertung dreht sich das wieder um: Da lässt sich Aluminium dann bereits zum halben Energietarif einschmelzen. Seit in Deutschland das Dosenpfand eingeführt wurde, liegt die Sammelquote angeblich bei 90 und mehr Prozent.

Diese positive Seite der Kreislaufwirtschaft bei Aluminium wurde in den Mittelpunkt der Werbeprogramme gestellt. Wer heute an den Werkstoff Aluminium denkt, dem fällt – nach den Wünschen der Industrie – als erstes das hohe Recyclingpotenzial von Aluminium ein. Aus Aluminium wurde ein ein ökologisch wertvolles Produkt.

Die Wahrheit ist dann doch etwas weniger grün. Denn auch wenn in einem kleinen Teilbereich – bei den Dosen – gute Sammelquoten erzielt werden, so gilt das zum einen nur für Deutschland; in den meisten anderen Ländern der EU gibt es keine vergleichbare Maßnahme. Außerdem hört die Sammelwut bei den Dosen auch schon wieder auf. Insgesamt bringt es Recyclingaluminium gerade einmal auf 10 Prozent der Gesamtmenge des jährlich verarbeiteten Metalls. Der Rest kommt aus dem Bauxit – und geht die bekannten Herstellungsschritte über die Trennung vom Rotschlamm mittels Natronlauge bis zum Brennen des Aluminiumoxidpulvers bis zur Alu-Schmelze, wo mittels enormer Mengen an elektrischer Energie die Metall-Ionen von den Sauerstoff-Ionen getrennt werden.

 

Aluminium, der Energie- und Ressourcenfresser

Um eine Tonne Aluminium herzustellen braucht es – je nach Qualität des Erzes – bis zu vier Tonnen Bauxit. Dazu noch eine knappe Tonne Kohlenstoff, sowie ein sehr reaktives, stark ätzendes und giftiges Element, nämlich Fluor. Fluor wird dazu benutzt, den Schmelzpunkt von Aluminiumoxid zu reduzieren, der normalerweise bei etwas über 2000 Grad liegt. Mit Hilfe der Fluorverbindungen Kryolith sowie Aluminiumfluorid kann der Schmelzpunkt auf weniger als 1000 Grad gesenkt werden.
Kryolith (Eisstein) wurde bis in die 1970er-Jahre in großen Lagerstätten auf Grönland abgebaut. Mittlerweile sind diese Vorräte erschöpft oder nicht mehr rentabel. Kryolith wird deshalb synthetisch – meist aus Fluorwasserstoff und Natriumaluminat – hergestellt. Pro Tonne Aluminium werden etwa 20 kg Aluminiumfluorid und 4 kg Kryolith benötigt.
Das Aluminiumoxidgemisch wird in einer eisernen Pfanne erhitzt. Die Anode besteht aus Graphitzylindern, die in die Schmelze getaucht werden. Dabei oxidiert die Anodenkohle zu Kohlenmonoxid und Kohlendioxid, was als Treibhausgas zur Erderwärmung beiträgt. Für die Elektrolyse braucht es nur eine geringe elektrische Spannung von 5 bis 6 Volt, allerdings eine hohe Stromstärke von über 150.000 Ampere. Das metallische Aluminium setzt sich in der Folge am Boden der Schmelzpfanne ab. Insgesamt werden für die Herstellung einer Tonne Aluminium rund 16.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Etwa die Hälfte der elektrischen Energie wird für die Erzeugung der Wärme, die andere Hälfte für die Elektrolyse benötigt.


Nur ein Stückchen Alufolie?

Derartige Zahlen sind schwer vorstellbar. Rainer Müller, Professor an der Technischen Universität Braunschweig, bringt einen anschaulichen Vergleich, der die benötigte Energiemenge deutlich macht: Stellen Sie sich dafür ein 10 mal 10 Zentimeter großes Stücks Alufolie mit einer Dicke von 0,02 Millimetern vor. Was meinen Sie, wie viel man investieren müsste, um die Energie für die Herstellung dieses Folienstückes mit körperlicher Arbeit zu erzeugen? Wenn man also beispielsweise Ziegel, die pro Stück ein Kilogramm wiegen, auf einem einen Meter hohen Tisch aufstapeln müsste. Wie viele Ziegel, denken Sie, müssten Sie auf den Tisch heben, um die Energie zu erzeugen, die für die Herstellung dieses Stückes Alufolie notwendig ist? 100 Ziegel, 300 Ziegel?
Man müsste, erklärt Rainer Müller, 14.000 Ziegel auf den Tisch heben. – „Bevor man sein Pausenbrot in Alufolie einpackt, die man anschließend wegwirft, sollte man also überlegen, ob es Butterbrotpapier – oder noch besser eine Brotdose – nicht auch tut", schließt Müller seine Überlegungen.

 

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