Aluminium-Forum des Bundesinstitut für Risikobewertung

Verfasst von Bert Ehgartner. Veröffentlicht in Al-ex News

Die Moderatorin der "Aluminium-Konferenz" in Berlin, veranstaltet vom Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR), erwähnt in ihrer Einleitungsrede gleich zwei Mal unseren Film „Die Akte Aluminium“ als jenen Anlass, der das Thema Aluminium zu einem öffentlichen Thema machte. Seither ist Schluss mit der heilen Welt der Alufelge. Stattdessen wird über den Aluminiumgehalt in Deos diskutiert – über Aluminium-Überdosen in Medikamenten und Impfstoffen oder über den Aluminiumgehalt in Baby-Milchpulver.  Ich gebe hier im folgenden die Eindrücke der einzelnen Referate wieder und freue mich über Feedback.

(Bert Ehgartner aus Berlin)

 George Kass von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt einen Überblick zur 2008 veröffentlichten „Opinion on Aluminium“ seiner Behörde. Damals wurde von der EFSA der Grenzwert für die tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI-Wert) radikal von 7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht auf 1 Milligramm abgesenkt. 

Er scheint persönlich nicht sehr glücklich, über diese Maßnahme und erwähnt, dass eine Expertenkommission der WHO diesen Wert mittlerweile wieder auf 2 Milligramm angehoben hat. Derzeit sei es für mache Gruppen in der Bevölkerung schwer diesen Wert einzuhalten. Kinder unter fünf Jahren nehmen beispielsweise Aluminium in der Bandbreite von 0,7 – 2,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht auf. Das heißt, speziell in Kinder-Nahrungsmitteln ist massiv zu viel Aluminium enthalten.

Kass zählt die Liste der Lebensmittel-Zusätze auf, die auf Empfehlung seiner Behörde von der EU-Kommission verboten wurden. Er sagt, dass auch alle anderen Aluminium-haltigen Lebensmittel Zusätze bis 2018 evaluiert werden. Dann wird auch hier über ein mögliches Verbot entschieden.

Kass macht in seinem Referat – und dann auch später in der Diskussion – den Eindruck, als hielte er den Aufwand, den seine Behörde hier treibt, für stark übertrieben. Ich weiß aus verschiedenen Quellen, wie massiv die diversen Aluminium Lobbyisten daran arbeiten, dass die EFSA dem Beispiel der WHO Expertengruppe folgt und ebenfalls den TWI Wert auf 2 Milligramm verdoppelt. Kass gehört, so wie er sich hier gibt, sicherlich zu den internen Befürwortern dieser Maßnahme.

Die berühmte Zwei-Personen Expertise

Die nächste Referentin ist Andrea Hartwig, Professorin am Karlsruher Institut für Technologie. Sie spricht zur Toxikologie von Aluminium. Sie betont, dass wir natürliche Quellen haben und antropogene. Bei diesen menschgemachten gibt es Bemühungen zur Reduktion. Aluminium fördert nämlich leider folgende problematische biochemische Vorgänge:

  • oxidativen Stress, erhöht den intrazellulären Calciumgehalt
  • die Wechselwirkung mit Mikrotubuli
  • Störungen an der DNA durch Bindung an Phosphatgruppen
  • die mögliche Kanzerogenität nach Partikelübertragung in der Lunge

Bei oraler Aufnahme wird laut BfR 2014 nur max 1% des Aluminiums im Körper aufgenommen. „Es gibt nur wenige Studien, die das geprüft haben“. Sie erwähnt eine Studie, an der nur 2 Personen teilgenommen haben, welche vom BfR in älteren und auch in jüngeren Arbeiten immer wieder als Referenz gegeben wurde. („Zwei Personen sind nicht eben viel, aber man muss nehmen, was es gibt.“)

Aufnahme über die Haut: Hartwig zitiert wieder eine 2 Probanden Studie („…das ist überhaupt nicht ausreichend, aber immerhin“). Hier ergibt sich eine noch geringere Aufnahme von nur 0,012%.  Danach wäre die Haut tatsächlich eine Art „eiserner Vorhang“, wo nichts durch dringt. All diese Angaben beruhen auf Studien teils weit vor der Jahrtausendwende, alle von der Industrie organisiert und bezahlt.

2012 erschien eine französische Studie mit einem wissenschaftlichen Hautmodell, so genannten Franz-Diffusionszellen (Pineau et al.). Sie ergab nun eine Aufnahme des Aluminiums über die Haut von immerhin 0,3 – 1 %. Wenn die Haut frisch rasiert ist, geht sogar rund 6% des Aluminiums ins Gewebe über.

Hartwig BfR Alu

Hartwig beklagt, dass gültige Untersuchungen bei Probanden – z.B. auch bei wiederholter Aufnahme – fehlen. Es wäre interessant, sagt sie, ob es Unterschiede gibt zwischen Personen die Alu-deos verwenden und solchen, die das nicht tun. Ihr bisheriger Eindruck ist jedoch, dass die dermale Aufnahme sehr gering zu sein scheint.

Aufnahme über die Lunge

Hartwig zitiert hier die worst case Szenarien, die bei Messungen am Arbeitsplatz von Aluminium-Gießern und Schweißern gefunden wurden. Dabei kämen die Arbeiter auf eine Aufnahme von bis zu 40 Milligramm pro Tag über die Lunge. Die inhalative Belastung der Allgemeinbevölkerung liege im Vergleich dazu bei einem vielfach niedrigeren Wert von höchstens 0,2 Milligramm. Wie tief die Partikel in die Lungen eindringen, sei  abhängig von Größe der Partikel. Wenn diese auf die Lungenoberfläche kommen, werden sie über Makrophagen – über die Lymphe abtransportiert. Halbwertszeit im mittel: 400 Tage. Also ziemlich lang. Das Risiko bei übermäßiger Beladung der Lunge mit Alu-Partikeln reicht laut Hartwig von chronischen Entzündungsprozessen über Fibrose (Gewebsverdickung), zur Aluminose (bei extr. Arbeitsplatzbelastung) und schließlich zu Tumoren. Derartige Folgen können aber auch prinzipiell mit inerten Stäuben passieren.

Bei systemischer Verfügbarkeit löslicher Alu-Verbindungen kann es zu Erkrankungen des zentralen Nervensystems kommen. Das passiert aber laut Hartwig nur bei hohen Konzentrationen, die bisher nur am Arbeitsplatz von Relevanz sind. Wie steht es aber mit der Bioverfügbarkeit von Alu-haltigen Aerosolsprays? – Etwa, wenn der gesamte Umkleiderauml einer Klasse mit lauter 13-jährigen nach dem Turnunterricht nur so kocht von Deos und Anttranspirantien? Dazu gibt es keine Daten.

Systemisch  verfügbares Aluminium, sagt Hartwig, wird zu 98% über Urin ausgeschieden. Beim Grenzwert zur Ausscheidung gilt alles über < 15 Mikrogramm pro Liter im Urin als normal. Bei Aluminium-Arbeitern hat man angeblich Werte bis zu 1000 Mikrogramm gefunden

Und bei Dialyse Patienten, die das Pech hatten mit Aluminiumhaltigen Arzneimitteln behandelt zu werden,  fand man eine Neurotoxizität bei  mehr als 200 Mikrogramm pro Liter,

Demgemäß hält die Normalbevölkerung  bei Werten unter 15 mikrogramm.

Bei Aluminium Schweißern fand man  24 – 164 Mikrogramm pro Liter Urin. Bei höheren Werten, fand man bei Schweißern Gedächtnis und Konzentrationsstörungen.

Es besteht jedenfalls, sagt Hartwig mehrfach, normer Forschungsbedarf in vielen Bereichen. Aber wichtig ist die Dosis. Jeder Stoff ist irgendwann toxisch.

Bei den TWI Werten ist ein Sicherheitsfaktor von 100 drin, sagt sie. Deshalb sind wir lange noch nicht in einem Bereich, wo toxische Wirkungen unmittelbar anfallen.

Blasen- und Lungenkrebs: dafür gebe es entsprechende Hinweise für Arbeiter in Aluminiumindustrie - aber nicht für die Normalbevölkerung. Dasselbe wurde über Tierexperimente bestätigt –wenn diese mit Stäuben wie sie in der Aluminiumherstellung anfallen konfrontiert wurden. Hier wurde demnach auch die höchste Risikostufe ausgesprochen, die es im Grading dieser Organisationen gibt: Dieser Staub ist Carcinogenic to humans (Group A). Hartwig relativierte jedoch: da kommen aber auch andere problematische Stoffe vor, nicht nur Aluminiumstaub sondern auch z. B. polyzyklische Kohlenwasserstoffe.

Ich lasse es mal bei diesen Informationen, weil ich die anderen Notizen erst noch ins Reine schreiben muss. Es ist schon ein langer Abend gewesen mit heftigen Diskussionen und deshalb ist es auch notwendig, die Abschriften möglichst korrekt wieder zu geben.

Bleiben Sie jedenfalls dran, denn als nächstes kommen weitere hoch interessante Beiträge von Philippa Darbre zum Thema Brustkrebs, sowie von JR Walton und Chris Exley zur Verbindung von Aluminium und der Alzheimer Erkrankung. 

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