Laugengebäck: Testserie belegt teils hohe Alu-Belastung

Verfasst von Bert Ehgartner. Veröffentlicht in Al-ex News

Nachdem im Vorjahr behördliche Tests in Deutschland zeigten, dass jede fünfte Bayrische Brezen zu viel Aluminium enthält, hat nun der "Verein für Konsumenteninformation" (VKI) auch in Österreich eine Testserie durchgeführt.  Dabei zeigten sich teils krasse Missstände mit Ausreißern, die sich als regelrechte Alubomben mit Werten vom zwanzigfachen der Obergrenze entpuppten. Nun werden auch die österreichischen Behörden endlich aktiv. 

Laugengeback Foto Simon

"Schon lange wird über einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Aluminium und dem Auftreten von Alzheimer oder der Entstehung von Brustkrebs spekuliert", heißt es in der Presseaussendung des VKI. "Auch wenn es bisher an gesicherten Studien mangelt, ist man sich über eines einig: Je weniger Aluminium der Körper aufnimmt, desto besser." Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun mit Laugengebäck ein Lebensmittel unter die Lupe genommen, das aufgrund der Herstellungsweise sehr leicht höhere Aluminiumwerte aufweisen kann.

Laugengebäck wird mit einer schwach konzentrierten Natronlauge bestrichen. Diese reagiert mit den Gluten des Teiges und setzt dabei Aminosäuren frei, welche mit Kohlenhydraten eine schmackhafte Verbindung eingehen. Dadurch entsteht beim Backen die typische braunglänzende Oberfläche und der spezielle kräftige Geschmack.

Wenn die Laugenstangen oder Brezen in direktem Kontakt mit Aluminium-Blechen gebacken werden, können sich über die Lauge Metall-Ionen aus dem Blech lösen und das Gebäck  kontaminieren. Deshalb gibt es seit mehr als zehn Jahren die Empfehlung, für solche Backwaren Edelstahlbleche zu verwenden, oder zumindest ein Backpapier unter zu legen. "Dieser Ratschlag ist offensichtlich zu manchen Bäckern nicht durchgedrungen", kritisiert die Ernährungswissenschaftlerin Katrin Mittl, die jetzt die VKI-Testserie leitete.

 Die in der KONSUMENT-Septemberausgabe veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Sechs von 24 untersuchten Proben, die anonym bei großen Bäckereiketten und in Backwarenabteilungen des Handels gezogen wurden, waren mit Aluminium belastet. Zwei Drittel der Proben waren in Ordnung, bei zwei Herstellern wurde ein erhöhter Wert festgestellt. 

20-fache Überschreitung in Proben der Bäckerei "Schwarz" 

In Bayern gibt es aufgrund dieser Problematik seit 1999 einen Grenzwert für den Verwaltungsvollzug von 10mg Aluminium pro Kilogramm Laugengebäck (bezogen auf das Frischgewicht). Backwaren, die über diesem Höchstwert liegen, gelten als nicht für den Verzehr geeignet. Anders als in Bayern gibt es EU-weit und damit auch in Österreich keinen Grenzwert, obwohl das BfR bereits seit 2002 maximal 10 mg/kg empfiehlt.

Über dem Grenzwert lagen die Erzeugnisse von zwei Anbietern. Bei der Bäckereikette Mann wurden 11,5 beziehungsweise 12,6 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Gebäck festgestellt. "Diese beiden Laugenstangen würden in Bayern von den Behörden als nicht für den Verzehr geeignet beurteilt werden", so die Konsumentenschützer. "Geradezu jenseitig" seien die Werte im zweiten beanstandeten Fall – der Wiener Bäckerei Schwarz: 73,7 beziehungsweise 214,2 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Frischgewicht seien "im Extremfall die 20-fache Menge dessen, was hinter der österreichisch-bayerischen Grenze gerade noch zulässig ist".

Die betroffenen Bäckereien (insbesondere "Schwarz" aber auch "Der Mann") haben umgehend auf die Ergebnisse des Tests reagiert und die Produktion umgestellt bzw. die Kontrollmaßnahmen verschärft. Das Gesundheitsministerium erarbeitet bereits seit einiger Zeit eine Leitlinie zur Herstellung von Laugengebäck. Als Reaktion auf den Test wird fürs Erste zudem eine Aussendung des Ministeriums an alle österreichischen Bäcker erfolgen. 

Was aber können Konsumenten selbst tun? "Liebhaber von Laugengebäck können sich bei ihrem Bäcker oder ihrer Backfiliale erkundigen, ob diese auf Aluminiumblechen gebacken werden", rät Mittl. "Darüber hinaus haben wir im Zuge unseres Tests aber auch erhoben, welche Bleche von den getesteten Bäckereien und Backfilialen benutzt werden." Diesen Überblick gibt es in der September-Ausgabe von KONSUMENT sowie ab sofort online unter www.konsument.at.

 (Foto: Rudolf Simon)

 

Tags: Aluminium, Laugengebäck,

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